Beobachtungen im Bereich 'Copyright'

Unser Haus spricht mit Superschurken

Sonntag, April 20th, 2014

Alles kommt zu seiner Zeit: Smart Home vermutlich erst 2015 massenweise nach Deutschland. Da der Gesetzgeber deutsche Haushalte nicht zur Vernetzung verpflichtet, liegen Chancen von Energieversorgern, Elektrokonzernen und Unternehmensberatern brach. Nur wenn wir alle per Smart Meter unseren Strom messen und regeln können, werden wir endlich Elektrotankstellen als Batterien nutzen und den Charme der Nachtspeicherheizung wiederentdecken.

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Nest muss sich also zunächst mit der Steuerung britischer Haushalte und dies im Schlepptau der RWE zufriedengeben.

RWE erhofft sich von der Zusammenarbeit ein Umsatzwachstum. Das Unternehmen betätigt sich in den letzten Jahren verstärkt im Bereich “Smart Home”, um Einnahmeausfälle bei den traditionellen Kraftwerken durch die zunehmende Verwendung von Ökostrom zu kompensieren.

Ist also der Verdacht berechtigt, dass es beim Regeln eines zugegeben schönen Thermostats (welcher Fetischismus ist heute schon bizarr?) nicht ausschließlich ums Stromsparen geht?

Some utility partners are willing to spend $30 to $50 per year and per thermostat to be able to turn the air conditioner up when it’s a hot day. This way, the utility can levels load on the grid.

Wie ist ansonsten die Lage in der Digitalkultur? Der größte belgische Provider (Liberty-Investment) schaltet SD-Sender einfach ab, um den Verkauf von HD-Rekordern zu beflügeln. Stoisch beharren Polizeigewerkschafter ausdrücklich auf der Speicherung von Vorratsdaten, obwohl das Max-Planck-Institut diesem Instrument Marginalität in der Strafaufklärung bescheinigt. Und Amerikas Autoren befürchten, dass ihr großes Land bald als Schurkenstaat gilt, in dem ein jeder (Google natürlich!) einfach alles scannen und monetisieren darf.

Daher haben wir wie Springer-Vorstand Döpfner große Angst. Vor der Suchmaschine, den Anzeigen, dem Datendiebstahl und den globalen Superschurken. Gut, dass wir in Germania kleinere Brötchen backen, Wahrlich, da wird schizophrener Liberalismus alternativlos wahr.

Überwachen und Schweigen

Sonntag, August 4th, 2013

Es stimmt.

Wir haben PRISM, Tempora und XKeyscore.
Und, ja, ich, Unitymedia.

neue nsa-zentrale gelbachtal

Erscheint euch auch der Gedanke gewöhnlich, dass
dies ein Netz-Anschluss/Zugangs-Detail-Problem sei?

Ach, Verzeihung, ich schweifte ab:
Die Ausgaben für IT-Infrastruktur steigen,
und die Verlage sind trotz LSR dabei.

Leistungserschleichung

Samstag, Februar 23rd, 2013

Ende Februar und schon wieder Schnee. Das ist normal.

So wie Bedeutung sich abschleift, ein Fragment übersteht.
Jenes ist dem Internetkampfbegriff Shitstorm widerfahren.

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Weniger ehrenwert empfindet das Publikum hingegen, eigene Wortkreationen unter irgendeinem (inneren) Druck zu widerrufen, um sich derer damit erneut zu rühmen.

In Stuhlgewittern war das.
Eine kleine Abschweifung

Ach ja, PS: eco und Google meinen, der Entwurf zum Leistungsschutzrechtsgesetz sei verfassungswidrig.

Zensur rund um die Uhr

Sonntag, November 11th, 2012

Jetzt reicht’s aber. Ständig muss ich in Zusammenhang mit Apple etwas über Titten und Geschlechtsorgane lesen.

Die werden nämlich entfernt – aus dem App Store und Apps, aus Musik bei iTunes.

Missglückter Versuch, Apples prüde Regeln zu brechen.

Wie man das nennt? Zensur!
Jedenfalls liegt die ZEIT nicht weit entfernt.

Zeit fürs Großreinemachen also? Lessig will die Friedenspfeife rauchen, Bezos ist (inzwischen auch) gegen Patente, und Apple lizenziert die Schweizer Bahnhofsuhr nun doch.

O, digitale Gesellschaft! Während das Fernsehen stirbt, setzt Russland das Twitterverbot für Staatsdiener durch.

An was wir denken

Montag, Oktober 1st, 2012

…, wenn wir beispielsweise dieses Blog befüllen,
zeigt ansatzweise folgende Grafik:

wordle der kulturhohiot

Was genau dieser Wordle-Robot liest, analysiert und als Infografik ausspuckt, bleibt sein wunderbares Geheimnis.

Aber es passt irgendwie. Schon deinen eigenen Facebook-Graphen bei Wolfram Alpha erstellt?

Daten werden zu Bildern. Figuren ausgedruckt – von einem Drucker, der Materialien repliziert.

Magere Ausbeute, findet ihr? Nimmt dieses neue Urheberrecht. Oder checkt die nächste Wörterwolke.

word cloud kulturhoheit

Aber protestiert bitte nicht weiter gegen die Tagesschau.

Standardargumente der Ideologiekritik

Mittwoch, Mai 9th, 2012

Der Argumente sind genug gewechselt, jetzt geht’s an die Arbeit.

Ähnliches könnte meinen, wer Stefanowitsch’ offenen Brief an die Contentindustrie liest. Lasst uns also taxieren, was Offenheit genau kostet:

Merke: “Weder die Funktionalität eines Computerprogramms noch die Programmiersprache oder das Dateiformat, die im Rahmen eines Computerprogramms verwendet werden, um bestimmte Funktionen des Programms zu nutzen, [sind] eine Ausdrucksform dieses Programms.”

Wie war das noch gleich, Kathrin Passig? Wenn was Neues kommt, sind wir entweder unbegründet skeptisch oder im Aufstieg zu überschwenglich gestimmt.

Und nach dem Radiergummi suchen wir weiterhin.

Amerikaner und andere ACTAnden

Sonntag, Februar 5th, 2012

Trotz klirrender Kälte geht’s heuer heiß her. Nach dem vorerst erfolgreichen Widerstand gegen SOPA und PIPA in den USA begehrt unser mutiger östlicher Nachbar Ähnliches.

Die Gegner des europäischen Anti-Fälschungsabkommens müssen sich warm anziehen und sputen. Am besten telefonieren wir unsere Parlamentarier in Europa gemäß eines Gesprächsleitfadens der Digitalen Gesellschaft ab.

Ihr habt besseres zu tun, zum Beispiel Videos gucken oder alte Musikdateien verhökern? Dann aber Obacht, denn das elektronische Weiterverkaufen digitaler Dateien mit eingeschränkten Nutzungsrechten gerät unter paradoxen juristischen Beschuss, wie Googles Anwälte konstatieren:

“The present motion argues that the first sale doctrine—which permits the owner of a lawfully-made copy or phonorecord to sell it without needing the copyright owner’s permission—cannot apply to this case because no material objects change hands. But it also argues that ReDigi infringes Capitol’s exclusive right to ‘distribute copies or phonorecords’, despite its admission that no material objects are distributed. Either both provisions apply, and ReDigi’s service may be protected by the first sale doctrine, or neither applies, and ReDigi’s service does not infringe the distribution right.”

Also lieber wieder, wie meistens bis immer, bei Suchmaschine Eins und Facebook verbleiben? Ich habe letzte Woche mindestens zwei Mal Googles aktualisierte Datenschutzbedingungen akzeptiert – und werde es als Multiuser vermutlich wieder tun (müssen). Zum Glück sind meine amerikanischen Stasi-Cookies gar nicht so schlau, wie gedacht.

Wenn sich dann Microsoft als Patron seiner immerhin zahlenden Kundschaft inszeniert, seid gewarnt: Das könnte ein Wink mit dem Zaunpfahl sein. Denn früher oder später schleift sich jeder Sündenfall in unsere Zuckerberg’sche Chronik ein.

Tracking und harvesting – Zwischenbericht

Sonntag, Juli 10th, 2011

Am neuen Stützpunkt angekommen, beobachten wir: Irgendwer sieht immer irgendwas. Neuerdings ich, wie Websites meine Routen durchs Netz tracken – dem Firefox Add-on Collusion zum Dank.

Wenns nach der GEMA, der GVU, dem Börsenverband des deutschen Buchhandels und weiteren Verlagsverbänden geht, müssen Provider sofort wieder massig Nutzerzugriffsdaten bevorraten, um geistiges Eigentum besser zu schützen.

Quasi automatisch soll eine unabhängige Stelle mittels eines Systems aus Warnhinweisen und Sanktionen Urheberrechtsverletzungen aufspüren und ahnden. Nach all den Blockaden – GEMA goes on air?

Sammeln und sammeln lassen, ist wohl die Devise. Während Google Plus, soeben angelaufen, schon mit Speicherproblemen kämpft, ernten andere mit Antennenbasteleien Strom auf der WLAN- und Hochfrequenzsuppe.

Meine, deine Daten schaffen dank Mining einen neuen Wert. Denn auch Hardware gibt es mittlerweile als Open Source.

Smart schützen, Allianzen nützen

Freitag, Mai 6th, 2011

Weilen des Übergangs treiben in die Arme des Bewährten. Also schauen wir mal, welche Wirkung die allgemeine Verfügbarkeit von Wissen laut Gunter Dueck auf die Berufe hat (etwa ab 22:00 Min. im Video unten):

Weil nicht nur das iPhone permanent Nutzerdaten speichert, schießen sich Datenschützer und Behörden auf Smartphones ein.

Kaum wird auch Google wegen Android verklagt, will Apple sein neues iOS weniger geschwätzig machen. Unterdessen verdoppelt Apple seinen Marktanteil, und Android überholt als Betriebssystem die Vorbildmutter.

Lass uns den Tatsachen ins Auge sehen: In Zukunft werden sehr viel mehr wertvolle Daten jederzeit und überall zur Verfügung stehen. Und wir werden streiten, für wen. Man kann entweder kapitulieren oder dagegen anschreiben. Oder Initiativen wie diese bemühen:

  1. für die Umkehr der Beweislast bei Datenlecks (Digitale Gesellschaft)
  2. gegen standardisierte Datenschutzfunktionen in Browsern (Facebook, Google, Yahoo und diverse Wirtschaftsverbände)
  3. für oder gegen die überstürzte Unterzeichnung eines Copyright-Abkommens (ACTA)
  4. diesen Tag gegen DRM (Free Software Foundation)
  5. alternative Ausgleichssysteme wie Flattr und die Kulturwertmark weiterentwickeln

O kritischer Geist beachte: Punkt 3-5 zielen auf geistiges Eigentum, die letzten beiden auf Daten für jeden.

Lamebook vs. Turboload

Sonntag, November 28th, 2010

Schluss jetzt mit Facebook! Wie der fachkundige Prof. Scheer vom Bitkom in Sachen Street View feststellt, überziehen datenschutzrechtliche Ängste oft irrational. Gleichzeitig überschätzen wir den Herdentrieb – zumindestens was den so genannten sozialen Einfluss auf Kaufentscheidungen angeht.

Moment Mal, unsere Daten sind safe und soziale Netzwerke marketingtechnisch ineffizient? Es kommt darauf an, was wir geben wollen und zu nehmen erwarten. Sowie darauf, wer Publisher und wer Nutznießer ist.

Die amerikanische Justiz jedenfalls befand unerlaubte Downloads von SAP-Mitarbeitern auf ORACLEs Support-Webseiten mehr als 1 Milliarde Dollar wert. Von einem ähnlichen Schutzinstinkt für immaterielle Güter beseelt, winkte das EU-Parlament das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA durch.

Will wohl wieder heißen: Wer Rechte reklamieren will, muss ein Geschäft modellieren. Wie jener Anwalt aus West Virginia, der es mit über 16.000 Urheberrechtsklagen innerhalb von 14 Tagen zum “copyright litigation champion” der USA schaffte. Zwischenzeitlich vermutlich, denn schon oft lag nur das frühe Gold des Webs in der Pornographie.