Beobachtungen im Bereich 'Open Sources'

Nach Lage der Daten, Freiheit

Sonntag, September 22nd, 2013

Die Zeiten sind hart, private Daten massenhaft gefährdet. Und der Apparat schweigt dazu, weiter.

Lassen wir Anonymus-Gründiger Eric Hughes zur Lage der Freiheit (oder Sicherheit?) privater Daten sprechen: “Und ich hatte auch nicht wirklich erwartet, dass es zur universalen Überwachung aller Kommunikation kommen würde! Doch ich gebe es zu: Der Alptraum eines jeden Cypherpunks ist wahr geworden.”

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Zwei Gründe erkennt Hughes im Interview mit der ZEIT:

  1. Wirtschaft will wissen: “Es liegt im ökonomischen Interesse großer kommerzieller Unternehmungen wie Facebook, die Verschmelzung des Privatlebens mit dem öffentlichen Leben zur neuen Normalität zu machen.”
  2. Technik ist nicht deterministisch: “Viele Leute, die noch Mitte der neunziger Jahre an Cypherpunk-Projekten arbeiteten, wechselten bald darauf in die Internetwirtschaft und verdienten viel Geld. Die wurden da komplett vereinnahmt.”

Wer oder was bestimmt also eigentlich diese Regeln und halbautomatischen Verfahren, die unsere Informations- und Kommunikations-Gewohnheiten reproduzieren?

Wichtige Aktanden scheinen zu sein:

  1. Der Google Such-Algorithmus, dieses Panda- und Pinguin-Ding.
  2. Der Facebook News-Alghorithmus: EgdeRank ist tot.
  3. Eine Publisher-, Adserver- and Targeting-Cloud
  4. Prism, Tempora, XKeyscore

Und dank all dieser schöner Sachen, ihr Spötter möget lachen, werden wir zu Affen.

Kein Freibier mehr

Mittwoch, Mai 15th, 2013

Hagelschauer im Mai: Die Piraten verabschieden sich von der totalen Online-Politik. Die Vision einer direkten Allways-on-Demokratie scheiterte an 23 Stimmen sowie vermutlich an der Angst vor dem Zwang, permanent alles diskutieren und entscheiden zu müssen und dabei ununterbrochen unsicher (oder beobachtet) zu sein. Also kein Liquid Feedback mehr?

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Überhaupt scheint die Zeit der Grenzen gekommen zu sein. Bald ist Schluss mit unbegrenzten Downloads über den DSL-Anschluss, wie die Telekom jüngst beschloss und weiter tapfer verteidigt. Ab sofort müsse eben jeder darauf achten, wie lange er den Datenwasserhahn laufen lässt, kommentiert Deutschlandchef van Damme anschaulich, was nicht stichhaltig heißen muss.

Allen Verbraucherprotesten (gibt es die?) gegen die sanfte Abschaffung der Netzneutralität und diversen (wählergefälligen) politischen Appellen trotzend, vollzieht die ehemalige Bundespost eine Entwicklung, die in der Netzzugangsindustrie längst Realität ist. Es gibt einfach kein Freibier mehr. “Das ist auch gerecht, denn warum sollen Normalverbraucher wenige Intensivnutzer quersubventionieren”, klärt ein Sachverständiger in der FAZ..

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Es stimmt, mehr für eine Flatrate zu zahlen, ist noch kein Primärwiderspruch zur Netzneutralität. Denn die Kostenbremse zielt auf Größeres: “Datenintensive Dienste werden sich überlegen müssen, ob sie „Partnerverträge“ mit der Telekom abschließen, damit sie ihre Kunden nach wie vor ungebremst erreichen. [...] So könnte, auf Dauer gesehen, ein ähnlich zweiseitiger Markt entstehen wie heute im Bereich der Fernseh-Kabelverbreitung. Nur wer zahlt, würde die Kunden noch ungebremst erreichen.” Die Next Generation Networks (NGN) werden, bestätigt Heise, aus einer Mehrzahl von Managed Services bestehen, die sich gezielter und besser monetarisieren lassen.

Angesichts dieser Realität erscheint mir der übliche Hochmut von uns Hochgeschwindigkeits-Surfern unangebracht. Ab jetzt heißt es Megabytes wie Kalorien zählen. Entsprechend hat die Blogger-Szene neulich auf der re:publica beschlossen, konventionelle Denkweisen in der ihr prinzipiell fremden Umwelt ab sofort stärker zur Kenntnis zu nehmen. Zu guter Letzt beraubte uns der Bundesgerichtshof gestern der Möglichkeit, dem Volk über die Autovorschlagsfunktion der beliebtesten Suchmaschine ungefiltert ins Schandmaul zu schauen.

Schade eigentlich – auch keine gemeinschaftlich, von Geisterhand geteilten Gehässigkeiten mehr. Bald fühlen wir uns so ausgesperrt wie Google Glass.

Konstruktive Politik der großen Daten

Sonntag, März 24th, 2013

Dass ich vergreise, ist mir spätestens seit letzter Woche klar. Facebook-Nutzer inzwischen im Median 38,7 Jahre alt, damit nur noch 5,4 Jahre jünger als die Deutschen. Und wir genau mittdendrin.

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Derweil verraten die Daten immer mehr, vom Abkehrwillen der Mitarbeiter bis zu Neigung und Gesinnung. Die Zeit ist reif für eine kleine Verzweigung in Sachen Transparenz:

Wie ungewöhnlich politisch dieser Sonntag scheint. Ist Internet die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln? Wir beobachten, dass Wirtschaft, Poltik und Öffentlichkeit sich durch die eingeladenen Agenten des Netzes rekonfigurieren. Dasselbe Hauen und Stechen, nur schneller und steigend komplex.

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Wie schnell ist Ihr Internet? Bei der Bundesnetzagentur testen!
+++Ende+++

Alle jederzeit haben und wissen zu können, ist das alte oder neue Qualität? Und welche Geige spielt Echtzeit in diesem Konzert? Entschuldigung, jetzt hab ich schon wieder den Lobo bemüht.

Leistungserschleichung

Samstag, Februar 23rd, 2013

Ende Februar und schon wieder Schnee. Das ist normal.

So wie Bedeutung sich abschleift, ein Fragment übersteht.
Jenes ist dem Internetkampfbegriff Shitstorm widerfahren.

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Weniger ehrenwert empfindet das Publikum hingegen, eigene Wortkreationen unter irgendeinem (inneren) Druck zu widerrufen, um sich derer damit erneut zu rühmen.

In Stuhlgewittern war das.
Eine kleine Abschweifung

Ach ja, PS: eco und Google meinen, der Entwurf zum Leistungsschutzrechtsgesetz sei verfassungswidrig.

Zensur rund um die Uhr

Sonntag, November 11th, 2012

Jetzt reicht’s aber. Ständig muss ich in Zusammenhang mit Apple etwas über Titten und Geschlechtsorgane lesen.

Die werden nämlich entfernt – aus dem App Store und Apps, aus Musik bei iTunes.

Missglückter Versuch, Apples prüde Regeln zu brechen.

Wie man das nennt? Zensur!
Jedenfalls liegt die ZEIT nicht weit entfernt.

Zeit fürs Großreinemachen also? Lessig will die Friedenspfeife rauchen, Bezos ist (inzwischen auch) gegen Patente, und Apple lizenziert die Schweizer Bahnhofsuhr nun doch.

O, digitale Gesellschaft! Während das Fernsehen stirbt, setzt Russland das Twitterverbot für Staatsdiener durch.

An was wir denken

Montag, Oktober 1st, 2012

…, wenn wir beispielsweise dieses Blog befüllen,
zeigt ansatzweise folgende Grafik:

wordle der kulturhohiot

Was genau dieser Wordle-Robot liest, analysiert und als Infografik ausspuckt, bleibt sein wunderbares Geheimnis.

Aber es passt irgendwie. Schon deinen eigenen Facebook-Graphen bei Wolfram Alpha erstellt?

Daten werden zu Bildern. Figuren ausgedruckt – von einem Drucker, der Materialien repliziert.

Magere Ausbeute, findet ihr? Nimmt dieses neue Urheberrecht. Oder checkt die nächste Wörterwolke.

word cloud kulturhoheit

Aber protestiert bitte nicht weiter gegen die Tagesschau.

Einheit stiften oder Ströme filtern

Sonntag, Juli 1st, 2012

Europa ist auf dem Weg zur Meisterschaft. Es bekommt das Einheitspatent und ein neues Patentgericht. Dies wird in Paris, nicht in München stehen.

Von dort, wo Software begrifflich als “logiciel” firmiert , erwarten wir neue Impulse in Sachen ihrer Patentierbarkeit: “Monsieur le Président, les logiciels sont -ils brevetables?” – diese Frage steht bereits im Wörterbuch.

Rettungsraum

Die Ketten werden komplexer. Im Recht wie im schöden Alltagsleben. Politiker knicken ein, bevor sie im Shitstorm versinken, moppert die FAZ. Und sogar Twitter hat seine liebe Mühe, das Böse aus dem Getweete herauszufiltern.

Darf, wer kein Bild und keine Follower hat, bald nichts mehr öffentlich von sich geben? Vielleicht, vielleicht geht’s auch ein bisschen weiter.

Kurzer Rückblick in die Neunziger: Als die Knochen (ältere Mobilfunkgeräte) in die Kommunikation eintraten, gab es noch einen Postminister. Inzwischen halten wir Pads in der Hand, die uns bald medizinisch gut betreuen möchten.

Entsprechend analysiert Dath zum Thema Data Exploration:
“Nicht nur das, was uns in Gang hält (Energie), sondern auch das, was uns steuert (Information), ist in Apparate gerutscht, deren Funktionsweise quer steht zu alten Frontverläufen zwischen öffentlich und privat.”

Standardargumente der Ideologiekritik

Mittwoch, Mai 9th, 2012

Der Argumente sind genug gewechselt, jetzt geht’s an die Arbeit.

Ähnliches könnte meinen, wer Stefanowitsch’ offenen Brief an die Contentindustrie liest. Lasst uns also taxieren, was Offenheit genau kostet:

Merke: “Weder die Funktionalität eines Computerprogramms noch die Programmiersprache oder das Dateiformat, die im Rahmen eines Computerprogramms verwendet werden, um bestimmte Funktionen des Programms zu nutzen, [sind] eine Ausdrucksform dieses Programms.”

Wie war das noch gleich, Kathrin Passig? Wenn was Neues kommt, sind wir entweder unbegründet skeptisch oder im Aufstieg zu überschwenglich gestimmt.

Und nach dem Radiergummi suchen wir weiterhin.

Verteiltes Design, so soll es sein

Donnerstag, September 22nd, 2011

Dauernd Neues von neuen wie alten Netzwerken. Amen ist offensichtlich eins der jüngeren Sozialen, und Aigner begrüßt Google+ mit seltenem Überschwang.

Nur leider, verehrte Diaspora, darf ich noch nicht bei euch rein. Obwohl ich eure Grafik super finde!

Die Logik der Vernetzung

Derweil gehen Regierungen mit ihren Daten public, zum Beispiel in Frankreich (huit points), Neuseeland (douce points) und good old Germany (cinq points). Also alles wie immer, Politiker wollen liken, das Private sei am Ende und Datenschutz wachstumshemmend, sowieso.

Oder etwa nicht? Die USA schützen Netzneutralität, und Googles Analytics ist endlich datenschutzkonform. Juchhu!

Tracking und harvesting – Zwischenbericht

Sonntag, Juli 10th, 2011

Am neuen Stützpunkt angekommen, beobachten wir: Irgendwer sieht immer irgendwas. Neuerdings ich, wie Websites meine Routen durchs Netz tracken – dem Firefox Add-on Collusion zum Dank.

Wenns nach der GEMA, der GVU, dem Börsenverband des deutschen Buchhandels und weiteren Verlagsverbänden geht, müssen Provider sofort wieder massig Nutzerzugriffsdaten bevorraten, um geistiges Eigentum besser zu schützen.

Quasi automatisch soll eine unabhängige Stelle mittels eines Systems aus Warnhinweisen und Sanktionen Urheberrechtsverletzungen aufspüren und ahnden. Nach all den Blockaden – GEMA goes on air?

Sammeln und sammeln lassen, ist wohl die Devise. Während Google Plus, soeben angelaufen, schon mit Speicherproblemen kämpft, ernten andere mit Antennenbasteleien Strom auf der WLAN- und Hochfrequenzsuppe.

Meine, deine Daten schaffen dank Mining einen neuen Wert. Denn auch Hardware gibt es mittlerweile als Open Source.