Beobachtungen im Bereich 'Copyright'

Google Series: diesmal Feuilleton

Samstag, November 7th, 2009

Der Apparat könnte nicht sagen, es sei nichts los. In Sachen Suchmaschine wertschöpft es sich prächtig. Der Streit über das Book Settlement entscheidet amerikanische Karrieren.

Hürdenspringendes Hauskaninchen

Wikipedias Hürdenspringen

Fragen Sie den, ob das relevant ist. Oder den. Dann gibt Google deine Daten preis: Please logon.

Godzilla gegen Warana unentschieden

Donnerstag, Oktober 8th, 2009

Endlich wieder kreuz und quer: Amazon muss einem Jungen Strafe zahlen, weil der seine Notizen verlor. Diese hatte er auf seinem E-Book-Reader des Typs Amazon Kindle am Rande von Orwells 1984 gemacht.

Und nun ist das Werk weg, weil es Amazon löschte, um (s)ein erloschendes Verwertungsrecht an einem Stück Literatur fernwirkend außer Kraft zu setzen.

Moment: Groß-Buchhändler verliert gegen einen Kleinst-Verbraucher, der durch kreative Nutzung von Literatur Anspruch auf eine illegale Kopie erwirkt? In Wahrheit ist anders. Dritte dürfen Privates auch dann nicht einfach löschen, wenn es auf fremden Federn gewachsen ist.

Dem Kollegen Google ergeht es anders, aber ähnlich: Kleiner werdende Verleger bemühen das Kartellrecht, weil die Suchmaschine frei verfügbare, fremde Informationen in eigenen Profit überführt.

So röhren die Hirsche auf der Jagd nach dem Platz an der Sonne. Währenddessen ist der Streit um Google Books in die Verlängerung gegangen

Google Open meets Twitter

Samstag, September 12th, 2009

Heute bekam ich Post von Biz Stone. Was wie Spam aussah, weil ich nicht gut informiert war, ist in Wahrheit ein Meilenstein in Copyright-Talk: “Ownership—Twitter is allowed to ‘use, copy, reproduce, process, adapt, modify, publish, transmit, display and distribute’ your tweets because that’s what we do. However, they are your tweets and they belong to you”, so Stone im Twitter Blog.

+++Wir unterbrechen für eine Werbesendung+++
Google News: Nachdem Verlage, Regierungen und Verbände Sturm gegen das Book Settlement liefen, goes Google Open now:

- Deutscher Buchhandel sieht Berner Konvention verletzt
- Amazon bemüht Wettbewerbsrecht
- Microsoft beklagt Rechtsmissbrauch
- Google bietet Verlegern Micropayment-Lösung an
- Google will digitale Bibliothek für Wettbewerber öffnen

Egal, wie es ausgeht. Es ist schon vorbei. Das wahre Rennen beginnt jetzt erst. Googles Rechtsvorstand David Drummond blickt durch: “The world of online books is changing in far more revolutionary ways. [..] It?s the newest titles and books yet to be written that will drive competition and commerce for digital books, not out-of-print books held in libraries.”
+++Werbeinsel Ende+++

Nur der Twitter-Boss findet da noch Worte. Wir wiederholen: “It’s important that everyone who tweets, develops apps, or is simply interested in Twitter understands that it’s not about the technology, it’s about how we all use the service that matters most.”

Because that’s what we do.

Google liest die Leser

Sonntag, August 16th, 2009

Kein Wochenende ohne Google: Der Quasi-Monopolist (nur von einem sanften Bing begleitet) kann wahrscheinlich im Herbst sein erweitertes Buchprojekt starten. In den Staaten hat sich Google mit Autoren und Verlegern über die Konditionen geeinigt, zu denen urheberrechtlich geschützte Bücher bei Google angezeigt, durchsucht und verkauft werden dürfen.

Allerdings ist das Vergleichsverfahren (Final notice) am Bundesberzirksgericht New York Süd noch bis zum 4. September offen. Netzaktivisten sehen mit der Einigung über das Copyright eine andere Gefahr aufziehen: “Sie wissen, welche Bücher du suchst”, warnt Jonathan Lethem von der Electronic Frontier Foundation, “sie wissen, welche Bücher du dir genauer anschaust, sie wissen, wie viel Zeit du für das Lesen einer Seite brauchst”, zitiert die Süddeutsche

Die Angst vor kollektiver geistiger Enteignung weicht der Befürchtung privater digitaler Aneignung – nämlich der Individualität des Lesens durch einen fast allmächtigen privatwirtschaftlichen Konzern. “Als ich jung war, begab ich mich auf eine sehr private, ungewöhnliche, intensiv erlebte Reise. Es war entscheidend, dass ich mich ganz allein auf diese Reise begab”, kritisiert Schriftssteller Lethem weiter.

Während der Wind von heftig (wer zahlt?) auf mäßig (eine Frage des Preises!) abschwächt, kreuzt die Eigentumsfrage geistiger Schöpfungen das Schutzproblem persönlicher Nutzerdaten und -profile. Civil liberty heißt dann den den Besitz privater Geheimnisse bewahren – oder gar ein Eigentum konstituieren?

In einer anderen Eigentumssache (wer verdient an News?) setzt Google auf fromme Wünsche: “Wir haben großes Interesse, dass die Verlage erfolgreiche Geschäftsmodelle finden”, so Europachef Philipp Schindler zum SPIEGEL.

Wie kriminell ist die zweite Welt?

Samstag, August 15th, 2009

In Wahlkampfzeiten erreichen das Gefahr-Gewalt-Pornographie-im-Netz-Gezeter und notwendige Gegenreaktionen vom Typ “Anti-Zensur(sula)” ungeahnte Höhepunkte. Einschläge von Google-Bomben in Frankreich liefern den passenden Soundtrack.

Zwar ist die Zahl der Verbrechen mit dem “Tatmittel Internet” laut polizeilicher Kriminilitätsstatistik im Jahr 2008 um 6,5 Prozent auf 167.451 gesunken. Gleichzeitig stiegen die gemeldeten Fälle in der enger definierten Kategorie “Computerkriminalität” um 1,1 Prozent auf 63.642.
Und weil sie uns erhellen, hier zwei weitere Zahlen:
“Kinderpornographie”: minus 24,1 Prozent
“Softwarepiraterie”: minus 37,8 Prozent
(Quelle: heise.de)

Ob das Internet folglich als “größter Tatort der Welt” gelten sollte, wie der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt meint, mag der Apparat aufgrund Unvertrautheit mit Vergleichsdaten (Iran, Afrika, Wildeshausen?) nicht werten. Der Mann hat Probleme, nämlich zu wenig Vollzugsbeamte und ein grundsätzliches: Wo genau in der Welt liegen die Tatorte, und was tun die Verbrecher dort spezifisch Böses?

Der Spanne reicht in Deutschland vom “Betrug mittels Debitkarten mit PIN” (minus 6,5 Prozent) bis zum “Ausspähen, Abfangen von Daten einschließlich Vorbereitungshandlungen” (plus 60 Prozent). Man stiehlt Geld und klaut Daten, verletzt Eigentums- und Persönlichkeitsrechte.

Diese Straftaten sind in der realen “ersten Welt” schon immer so beliebt, dass es keiner Weltenlehre bedarf, um sich mit Spiegel Online-Redakteur Christian Stöcker einfacher Einsichten zu erinnern: Nicht das Netz, sondern Diebe, Späher und Voyeure sind die Bösen.

Was falle denn einem googlenden Personalchef ein, “erst gezielt nach den Partybildern zu suchen und sie dann gegen Bewerber zu verwenden? Und wie kommt es, dass unsere Gesellschaft ein solches Verhalten toleriert? Schickte der Personalchef einen Privatdetektiv los, um den Bewerber nächtens bei der Party im Park in flagranti zu erwischen und zu knipsen, gäbe es zu Recht einen Aufschrei, würde man von einer Verletzung der Privatsphäre sprechen.”

Um nicht weiter zu politisieren, beschwichtigen wir: Wer oder was weshalb Böse ist, und welche Daten vor wem zu schützen sind, regeln Ihre zuständigen Organe (sowie die verfügbare Technik).

Remix nach Regeln

Samstag, August 15th, 2009

Während der Spiegel – Sonntag gesehen, heute archiviert – das Fehlen von Regeln im Netz revolviert, kämpfen andere mit diesen. Warum darf Sixt Schmidt vermerkeln, während Wahlwerbungs-Satire bei Netzpolitik.org tabu sein soll?

Nun gut, es kam anders, die Fotografin (eine Agentin der Parteien? Wir wissen nichts!) gab klüger nach. Wahlwerbungs-Remix rules. Zitatrecht, Kunst- und Satirefreiheit bestehen fort.

Wir halten inne und frohlocken. Wo ein Kläger, auch nicht immer ein Richter. Und wenn gerade kein Google, dann wenigstens ein Boykott.

Revolutionen scheitern

Samstag, April 11th, 2009

… an Eigensinn und Urlaub. Jedenfalls ist es den französischen Konservativen in zwei Lesungen nicht gelungen, der Welt schärfstes Gesetz gegen Urheberrechtsverletzungen durchzupeitschen. Noch werden nicht alle Nutzer sofort vom Internet getrennt, sofern sie mal wieder Musik oder Filme geklemmt haben.

Gleichzeitig entzweit sich die Wikipedia-Gemeinde, o du frohe GNU, über die korrekte Haltung zur Weiterverbreitung und -verwertung gemeinschaftlich erzeugter Bilder. Ich schreibe für alle, aber nur wenn die Welt von mir erfährt – ein wenig Prominenz sei den emsigen Autoren doch bitte gegönnt.

Überhaupt ist das alles nicht mehr so einfach, wie es sich zum Beispiel Literaturwissenschaftler Roland Reuß in seinem Heidelberger Appell macht. Forscher erzeugen Daten und veröffentlichen diese, weil wir, der Staat, die Forscher (und viele ihrer Bücher) bezahlen. Ist es – Open Access, beschrieben in der Zeit – also Diebstahl, wenn die Budgets nicht mehr in die Druckverlagsbranche, sondern direkt in deren Online-Datenbanken fließen?

Revolutionen scheitern oft auch daran, dass die neue Lage älter ist, als wir uns dachten.

Für eine Kopie was übrig

Sonntag, März 22nd, 2009

Haste nicht gesehen: DIE ZEIT gibt es jetzt zwei Mal. Die falsche Zeit ist zwar eine Kopie der amerikanischen Orginalidee – der falschen New York Times – und im Gegensatz zu dieser in einer zehnfach kleineren Printauflage (hier) erschienen.

Giovanni die Lorenzo findet das Spiegelbild seiner Arbeit gut. Er weiss, was Popularität wert ist. Viral Marketing einmal mehr.

ignorieren, was uns gefällt

Samstag, März 7th, 2009

Ein paar Stunden später, begreife ich, endlich lesend: Ein im Eintrag zuvor geposteter Spiegel-Link enthält Inhalte, die zur Lage des digitalen Urheberrechts vielsagend sind:

“Wenn jeder glaubt, die Gesetze ignorieren zu dürfen, die er dämlich findet, wird sich das Recht nicht weiterentwickeln, zumindest nicht in eine Richtung, die allen Bürgern nützt. So interessante Reformideen des Urheberrechts wie die Kulturflatrate hatten mangels Öffentlichkeitsdruck niemals eine echte Chance darauf, auch nur ein Gesetzentwurf zu werden.
Obwohl die Mehrheit der Bundesbürger Medienkonsumenten sind, hat hierzulande keine Partei die große Debatte geführt, wie ein neues Urheberrecht die Interessen von Produzenten und Machern internetgerecht neu austarieren kann.”

Und ob ein Link nun etwas enthält, aktiviert oder impliziert, oder ob er eben nur darauf verweist, beschäftigt mich die nächste Stunde.

Kein falsches Leben im richtigen

Sonntag, Januar 18th, 2009

Bisweilen dämmert’s erst, nachdem der neue Tag angebrochen ist. In einem Thesenpapier zum Urteil gegen den letzten Administrator von EliteTorrents.com, Daniel Dove, erklärt Bezirksrichter James P. Jones der verblüfften Öffentlichkeit: Der Gesamtwert illegaler Musik-Downloads ist NICHT GLEICH dem Schaden, den die Musikindustrie dem Internet wegen Urheberrechtsvergehen anlasten will.

Was widerborstig erscheint, ist schlicht Mikroökonomie: Nicht alles, was der Mensch kostenlos haben kann, würde er sich kaufen, wenn es ihn was kosten würde. Nicht jedes Musikstück, der sich per Zufall auf meinem Rechner befindet, gefällt mir ausreichend gut, dass ich 10 – 20 Euro hinblättern würde, um eine entsprechende CD zu kaufen. Selbst wenn der Musikgenuss abrupt weniger weitläufig würde.

Wie gesagt: Was ich nicht hab, macht mich nicht heiß. Nicht alle, die genüsslich das Urheberrecht missachten, stehlen der Musikindustrie Milliarden. In der Lücke dazwischen steht etwas anderes: Die Art, wie wir Musik, Filme und andere kreative Schöpfungen entdecken, teilen, konsumieren. Und dieser Prozess verläuft nicht unbedingt wie die Idealvorstellung, auf die sich ein Wirtschaftszweig eingerichtet hat.

Anstelle weiterer Nicht-Neuigkeiten empfehlen wir zum Thema die Präsentation des Futuristen Gerd Leonard. Wo Musikdownloads das “einzige Leben” unter Druck stehender Jugendlicher konstituieren, sind als Kompensation für diese große Freiheit höchstens niedrige Taschengeldbeträge realistisch.