Beobachtungen im Bereich 'Open Sources'

Ahnung und Intention (Sommertheater)

Samstag, August 7th, 2010

In geruhsamen Tagen geben sich Akteure gerne ahnungslos.

Google-Justiziar Arnd Haller etwa hält eine Presse-GEZ für schlicht absurd, da doch niemand Inhalte ins Netz stellen und verlinken müsse, wenn er das nicht möchte.

Und auch Pentagon-Sprecher Geoff Morrell meint einfach, dass die Weitergabe geheimer Unterlagen an ein gemeinfreies Informationssportal wie WikiLeaks NICHT rechtens sei.

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Beide habe gute Argumente für ihre Standpunkte. Monetäre und politische Interessen ebenfalls.

Trotzdem lernen wir im Vergleich der Verfahren zur Software-Patentierbarkeit in Ozeanien und Deutschland: Selbst das eingeleitete Ende der Netzneutralität und das Scheitern einzelner Erfindungen definieren die Situation als ganze abschließend bisher nicht.

Elektronische Zerstreuung

Sonntag, Juni 13th, 2010

Der Sommer ist da, doch kein Tag vergeht, ohne dass vernetzte Informations- und Kommunikationssysteme jemanden überfordern. Im Rahmen ihrer (gefüllt sein wollenden!) Themenseite “Digitales Denken” überschreibt etwa die FAZ das Aufeinandertreffen der Webpioniere Berners-Lee und Ray Kurzweil auf dem Zukunftsforum in Dresden mit einer generellen Unerklärlichkeit der Wirkung des Internets.

Da habt ihr den Salat: Elektronische Daten sind da, vermehren sich rasend und vernetzen sich weiter. Ein Phänomen, dessen Entstehung der verehrte Soziologe Dirk Baecker mit Marshall McLuhan in das 19. Jahrhundert datiert: “Elektrizität, so Marshall McLuhan, heißt Instantaneität, heißt weltweiter Signalaustausch in Lichtgeschwindigkeit.”

Und schnelle Signale schlagen Wellen: “Wir bekommen es mit unwahrscheinlichen Clusterbildungen, mit seltsamen Verknotungen von Geschichten, Milieus, Leuten und Organisationen zu tun, mit Possen, die die Gesellschaft durchkreuzen, ohne dass man wüsste, woher sie kommen und wohin sie verschwinden.” Die “nächste Gesellschaft” erfordert also neben Internet-Zugang (Passwort-gesichert?) und Facebook-Account (Privatsphäre-geschützt?) neue Wege zur “Überprüfung von Weltmisstrauen”.

Mit der Schrift erfanden Griechen die Philosophie, die frühe Neuzeit mit dem Buchdruck die Welt der Gefühle. Und was erfinden wir? Den Flashmob vielleicht – als eine spontane Verabredung zerstreuerischer Tätigkeiten, wie diese größere Wasserschlacht oder jene nächtliche Party …?

Dummdenken in Echtzeit

Sonntag, April 4th, 2010

Der März verstrich – nicht ohne Spuren. Ab sofort ist Google eine Art Meta-Twitter, wobei leider das Soziale des Netzwerks in der Suchmaschine verloren geht. Und wenn Google das Web in Echtzeit rankt, wird es Zeit für Realtime-SEO.

Quo vadis, Nutzer des Internets? Vermag dein bestes Denken seine Polykontextualität lenken, wie Jürgen Kuri fordert? Oder entwickeln wir uns dreist zu Dumm 3.0, wie Markus Reiter vermeint?

Microsofts best geklicktes Blau

Nicht nur am Rande erscheint erwähnenswert, wie der neue schnelle LTE Mobilfunkstandard arbeitet, nämlich ähnlich dem Internet-Protokoll (IP), wie “ein selbstorganisierendes Netzwerk: Neue Funkzellen werden aufgebaut und eingeschaltet, [...] Die umliegenden Zellen bemerken den neuen Kollegen und senken ihre Leistung. Fällt eine Zelle mit einem Defekt aus, wird sie automatisch aus dem System herausgenommen, und die Nachbarstationen erhöhen ihre Sendeleistung.” Jedoch wenn Millionen Nutzer um über 1000 parallele Frequenzkanäle – analog Webservern – konkurrieren, kann es eng werden im Band. Dann schlägt Quality of Service die Netzneutralität?

Bevor wir darin zu viel erkennen, lasst uns zu Ostern ergötzen am best je geklickten Blau, welches Microsoft vor kurzem (er)fand. Ob dies schütz- und patentierbar ist, wurde nicht notiert.

Kulturgüter in der Schelmenwelt

Samstag, Februar 20th, 2010

Huch, mein Facebook ist weg! Dies dachten nicht wenige, die sich neulich – wie üblich – ihren Weg ins weltgrößte Soziale Netzwerk über eines dieser Eingabefelder oben im Browser bahnten.

facebook login - Google Search
Uploaded with plasq‘s Skitch!

Was sie nicht wussten, war zweierlei: Erstens, dass ein lesenswerter Facebook-kritischer Artikel des Tech-Blogs ReadWriteWeb aufgrund der mächtigen, wenngleich kontextabhängigen Intelligenz von Googles Algorithmen zwischenzeitig einen der besten Plätze zur Suchanfrage “Facebook login” erklommen hatte.

Und zweitens wussten sie und wissen vermutlich bis heute nicht, dass das Suchfeld oben rechts im Browser nicht (direkt) denselben steuert, sondern meistens die populärste Suchmaschine füttert. Was wir daraus lernen – von wichtigen Lektionen in Search Usability einmal abgesehen?

Vielleicht, dass die digitale Kultur nicht psychedelisch, “eine Technologie- und Wirtschaftsentwicklung mit sozialen Auswirkungen” und die “kulturellen Leistungen des Internets [...] bisher noch marginal” sind? So meint jedenfalls Andrian Kreye in der Süddeutschen. Der Alltag ändert sich, die Kultur bleibt gleich – der Apparat denkt diesbezüglich langsamer…

Wenn es nach der Piratenpartei Berlin ginge, wären die technikaffinen Massen demokratisch viel weniger träge. Einzige Voraussetzung für Repräsentation in politischen Diskursen bleibt auch in der Liquid Democracy oder in ihrer kleinen vorrevolutionären Schwester namens “Liquid Feedback” ein registriertes Netzwerkprofil: “Mitglieder der Berliner Piraten, die nicht im System registriert sind, können Ihre Stimme auch nicht delegieren.”

So ist es eben: Was den einen demokratisch oder kulturell wertvoll erscheint, gilt einem anderen Kopf in der FAZ höchstens romanästhetisch relevant: “Es ist eine Welt für Schelme in meist mittlerem Alter, die wie Gil Blas Schiffbruch erlitten haben und nun mit Dreistigkeit und Selbstmarketing anderen erzählen, wie man den Goldschatz findet. [...] Solange sich alle Schelme einig sind, dass es so kommen wird, und solange Medien ihnen den nötigen Raum geben, funktioniert das System”.

Mehr Input zur Verschmelzung von Welt und Web gefällig? Sehen Sie in der taz, wie unsere Küche in – sagen wir fünf Jahren – agiert. Und überhaupt, ist das Sterben des Journalismus etwa keine Kunst?

Surfbrett-Stalking und andere Transparenzen

Sonntag, Januar 31st, 2010

Scheinidentitäten, Schnüffelei und Stalking. Eine Frau wurde jüngst deshalb verurteilt, weil sie sich über Soziale Netzwerke Vertrauen und über offenes WLAN Zugang verschaffte.

Selbiges versuchen Microsoft und Google bei allen Patienten der Welt. Vertrauen erschleicht sich, weshalb Datenschützer natürlich skeptisch werden. Sind Sie einzigartig wie Ihr Browser?

Sagen über Fragen. Am besten wir übermitteln unsere Steuererklärung im Februar. Dieses Mal locken sogar Preise.

Alle gegen Google

Samstag, Januar 23rd, 2010

Wir machens alle, daher nur eine kurze Übung Google Bashing…

Die Verleger, das Kartellamt, die Ministerin Leutheuser-Schnarrenberger und die französische Justiz kämpfen gegen Google. Der berühmte Soziologe Richard Sennett zieht sogar Parallelen zur Stasi.

Nur eine hat keine Bedenken, die EU-Komission.

Suchergebnisschnippsel (Snippets), AdWords und AdSense (Webseiten-Werbe-Vermarktung), Monopolstellung hin oder her. Es liefert bei der nächsten Suche Ihre Treffer wer?

All Datenpakete are created equal

Donnerstag, Dezember 31st, 2009

Zum Jahresende geht’s um Politik. Denn spätestens seitdem Dirk von Gehlen zu Weihnachten in der Süddeutschen die Aufnahme des Krieges mit anderen Mitteln anmahnte, schlägt auch bei den letzten ein: Administrative und rechtliche Entscheidungen über kommunikationstechnische Netzwerke sind politisch und verändern bisweilen die Machtverhältnisse.

Anstelle der Frage Frage, warum das alles so kompliziert ist, sollten wir uns also fragen: “Soll das Internet so bleiben, wie wir es kennen”, ergo
- frei = netzneutral,
- gleich = interoperabel,
- brüderlich = gerecht geteilt
?

Was der revolutionäre Prozess der Digitalisierung wohl mit sich bringt?

Und Moment, von welchen Rechtssubjekten reden wir?

Sehen Sie klar? Der Wikipedia-Nutzer “Weißbier” ist ein Löschfreak. Woher wir das wissen? Aus der Relevanzdebatte über Wikipedia.

Die Gnade des Vergessens

Dienstag, Dezember 22nd, 2009

Jimmy Wales ruft, und die Leser spenden, damit Wikipedia weiter wächst, Wissen schafft und Daten speichert. Sofern sie relevant sind, versteht sich.

By the way, Wikipedia-Autor und Spiegel-Mitarbeiter Kurt Jansson versteht Relevanz interessanterweise nicht als “wichtig für (irgend)jemanden”, sondern als “Hierum können und wollen wir uns kümmern”. Es kommt also darauf an, dass organisiertes Wissen operabel bleibt.

Ohnehin bleibt in digitalen Welten mehr hängen, als uns lieb ist. Suchmaschinen, Soziale Netzwerke und Provider speichern, was Nutzer in und mit ihnen treiben. Schon gieren Unternehmen, Regierungen und Straverfolger danach. “Vergiss es!”, titeln daher Rafaela von Bredow und Dietmar Hipp im Spiegel. Dabei liessen sie sich von Viktor Mayer-Schönberger inspirieren. Dieser fordert in seinem Buch “Delete: The Virtue of Forgetting in the Digital Age” ein systematisch eingebautes Verfallsdatum.

Diese Gnade gewährt der Bundesgerichtshof den Mördern des Volksschauspielers Walter Sedlmayr nicht. Weil es nicht bezahlbar wäre, wenn Medienunternehmen ständig ihre Archive durchforsten und Daten ändern müssten, die auf andere Weise ein wertvolles öffentliches Gut sind.

Bevor wir mit der Achsel zucken, denken wir an unseren Facebook-Acccount und daran, was es Webzugangsversorger kostet, unsere IPs und unserer Klicks für sechs Monate zu speichern. Wenn schon nicht auf das Vergessen – vielleicht ist auf das Controlling Verlass. In den Verhandlungen zur Vorratsdatenspeicherung ab Dienstag möge sich das Bundesverfassungsgericht selbstverständlich auf andere Quellen der Billigkeit stützen.

Nicht sinken, kopieren, patentieren?

Samstag, November 28th, 2009

Nach dem langen Geschwurbel im Vorbeitrag schmücken wir uns kurz mit fremden Federn…

Die Zahl der Wikipedia-Autoren sinkt NICHT kontinuierlich, behauptet Wikimedia, obwohl Felipe Ortega in seiner Thesis Freiwilligen-Schwund verzeichnet und das Palo Alto Research Center leicht abschüssige Wellen anzeigt. Wesentlich sicherer als diese Zahl ist sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) in der Behauptung, ein Recht auf Privatkopie bestehe NICHT. Und der britische High Court of Justice urteilt, dass elektronische Programmführer an und für sich per Softwarepatent NICHT schützbar sind.

Ortega Wikipedia UNIVERSIDAD REY JUAN CARLOS

Angesichts derart nuancierter Streitereien flüchten wir auf Kulturseiten und ventilieren auf’s Neue: Sind Internet-technische Entwicklungen “Nebenprodukte einer besonderen Kombination ökonomischer Kräfteverhältnisse” (Nicholas Carr in der ZEIT), oder bereichern die durch Soziale Netzwerke und Web 2.0 entstandenen Neuen Öffentlichkeiten die “plurale Vielfalt unserer Gesellschaft” (Stefan Münker im SPIEGEL)?

Google Series: diesmal Feuilleton

Samstag, November 7th, 2009

Der Apparat könnte nicht sagen, es sei nichts los. In Sachen Suchmaschine wertschöpft es sich prächtig. Der Streit über das Book Settlement entscheidet amerikanische Karrieren.

Hürdenspringendes Hauskaninchen

Wikipedias Hürdenspringen

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