Kein Freibier mehr

Hagelschauer im Mai: Die Piraten verabschieden sich von der totalen Online-Politik. Die Vision einer direkten Allways-on-Demokratie scheiterte an 23 Stimmen sowie vermutlich an der Angst vor dem Zwang, permanent alles diskutieren und entscheiden zu müssen und dabei ununterbrochen unsicher (oder beobachtet) zu sein. Also kein Liquid Feedback mehr?

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Überhaupt scheint die Zeit der Grenzen gekommen zu sein. Bald ist Schluss mit unbegrenzten Downloads über den DSL-Anschluss, wie die Telekom jüngst beschloss und weiter tapfer verteidigt. Ab sofort müsse eben jeder darauf achten, wie lange er den Datenwasserhahn laufen lässt, kommentiert Deutschlandchef van Damme anschaulich, was nicht stichhaltig heißen muss.

Allen Verbraucherprotesten (gibt es die?) gegen die sanfte Abschaffung der Netzneutralität und diversen (wählergefälligen) politischen Appellen trotzend, vollzieht die ehemalige Bundespost eine Entwicklung, die in der Netzzugangsindustrie längst Realität ist. Es gibt einfach kein Freibier mehr. „Das ist auch gerecht, denn warum sollen Normalverbraucher wenige Intensivnutzer quersubventionieren“, klärt ein Sachverständiger in der FAZ..

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Es stimmt, mehr für eine Flatrate zu zahlen, ist noch kein Primärwiderspruch zur Netzneutralität. Denn die Kostenbremse zielt auf Größeres: „Datenintensive Dienste werden sich überlegen müssen, ob sie „Partnerverträge“ mit der Telekom abschließen, damit sie ihre Kunden nach wie vor ungebremst erreichen. […] So könnte, auf Dauer gesehen, ein ähnlich zweiseitiger Markt entstehen wie heute im Bereich der Fernseh-Kabelverbreitung. Nur wer zahlt, würde die Kunden noch ungebremst erreichen.“ Die Next Generation Networks (NGN) werden, bestätigt Heise, aus einer Mehrzahl von Managed Services bestehen, die sich gezielter und besser monetarisieren lassen.

Angesichts dieser Realität erscheint mir der übliche Hochmut von uns Hochgeschwindigkeits-Surfern unangebracht. Ab jetzt heißt es Megabytes wie Kalorien zählen. Entsprechend hat die Blogger-Szene neulich auf der re:publica beschlossen, konventionelle Denkweisen in der ihr prinzipiell fremden Umwelt ab sofort stärker zur Kenntnis zu nehmen. Zu guter Letzt beraubte uns der Bundesgerichtshof gestern der Möglichkeit, dem Volk über die Autovorschlagsfunktion der beliebtesten Suchmaschine ungefiltert ins Schandmaul zu schauen.

Schade eigentlich – auch keine gemeinschaftlich, von Geisterhand geteilten Gehässigkeiten mehr. Bald fühlen wir uns so ausgesperrt wie Google Glass.

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