Wie kriminell ist die zweite Welt?

In Wahlkampfzeiten erreichen das Gefahr-Gewalt-Pornographie-im-Netz-Gezeter und notwendige Gegenreaktionen vom Typ „Anti-Zensur(sula)“ ungeahnte Höhepunkte. Einschläge von Google-Bomben in Frankreich liefern den passenden Soundtrack.

Zwar ist die Zahl der Verbrechen mit dem „Tatmittel Internet“ laut polizeilicher Kriminilitätsstatistik im Jahr 2008 um 6,5 Prozent auf 167.451 gesunken. Gleichzeitig stiegen die gemeldeten Fälle in der enger definierten Kategorie „Computerkriminalität“ um 1,1 Prozent auf 63.642.
Und weil sie uns erhellen, hier zwei weitere Zahlen:
„Kinderpornographie“: minus 24,1 Prozent
„Softwarepiraterie“: minus 37,8 Prozent
(Quelle: heise.de)

Ob das Internet folglich als „größter Tatort der Welt“ gelten sollte, wie der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt meint, mag der Apparat aufgrund Unvertrautheit mit Vergleichsdaten (Iran, Afrika, Wildeshausen?) nicht werten. Der Mann hat Probleme, nämlich zu wenig Vollzugsbeamte und ein grundsätzliches: Wo genau in der Welt liegen die Tatorte, und was tun die Verbrecher dort spezifisch Böses?

Der Spanne reicht in Deutschland vom „Betrug mittels Debitkarten mit PIN“ (minus 6,5 Prozent) bis zum „Ausspähen, Abfangen von Daten einschließlich Vorbereitungshandlungen“ (plus 60 Prozent). Man stiehlt Geld und klaut Daten, verletzt Eigentums- und Persönlichkeitsrechte.

Diese Straftaten sind in der realen „ersten Welt“ schon immer so beliebt, dass es keiner Weltenlehre bedarf, um sich mit Spiegel Online-Redakteur Christian Stöcker einfacher Einsichten zu erinnern: Nicht das Netz, sondern Diebe, Späher und Voyeure sind die Bösen.

Was falle denn einem googlenden Personalchef ein, „erst gezielt nach den Partybildern zu suchen und sie dann gegen Bewerber zu verwenden? Und wie kommt es, dass unsere Gesellschaft ein solches Verhalten toleriert? Schickte der Personalchef einen Privatdetektiv los, um den Bewerber nächtens bei der Party im Park in flagranti zu erwischen und zu knipsen, gäbe es zu Recht einen Aufschrei, würde man von einer Verletzung der Privatsphäre sprechen.“

Um nicht weiter zu politisieren, beschwichtigen wir: Wer oder was weshalb Böse ist, und welche Daten vor wem zu schützen sind, regeln Ihre zuständigen Organe (sowie die verfügbare Technik).

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