Archive for Oktober, 2008

Abschiede vom Alten

Donnerstag, Oktober 30th, 2008

Es war schon gestern, doch die Lage bleibt bewegt. Google hat sich mit den amerikanischen Verlegern und Autoren geeinigt. Sowohl die Association of American Publishers als auch die Authors Guild stimmten einer Vereinbarung zu, welche die Online-Suche in Copyright-geschützten, aber nicht mehr lieferbaren Büchern erlaubt.

Der Suchmaschinen-Gigant wird 125 Millionen Dollar zahlen, um ein „Buchrechteregister“ aufzubauen, Millionen Buchtitel zu vermarkten sowie Forderungen von Autoren und Verlagen zu begleichen. Indem Google seine Rolle vom Informationsmittler zum Anbieter und Gebühreneinzieher erweitert, entsteht eine Blaupause für vergleichbare Abkommen in Europa, wie nicht nur der Spiegel vermutet.

Während einige ausbauen, räumen andere auf. Der neue Vorstand für Datenschutz und Datensicherheit der Deutschen Telekom etwa entwickelt Sicherheitsstandards und Informationsangebote. Nur den Gründern und Nachahmern der New Economy gehen die Ideen aus. Seitdem das Geld nicht mehr sprudelt, erkennen die Berufsinnovatoren: Vieles taugt nicht nur deshalb, weil es schon da ist.

Das Volk tanzt oder sitzt

Sonntag, Oktober 12th, 2008

Während einige Informationen – Nachrichten über Kreditwürdigkeiten und Börsenkurse – zu einem freien Fall des Vertrauens führen, trauen sich Bürger auf die Straße, um ein anderes Misstrauen zu artikulieren. Mindestens 50.000 Menschen demonstrierten in Berlin gegen die Vorratsdatenspeicherung und Überwachungswahn und nutzen das Motto “Freiheit statt Angst” für eine politische Volksbewegung mit Love Parade-Elementen.

Die Angst vor der Angst ist also angekommen beim Volk, dass selbiges zum “Datenkörper”, “gläsernen Konstrukt” und zur “Verfügungsmasse von Behörden, Versicherungen und der Gesundheitsindustrie” verkomme, wie die Veranstalter, darunter der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung und weitere Gruppen wie der “Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V.” behaupten.

Doch ist es Angst, eine spezifisch deutsche gar, oder eher ein Streit um die rechten Hebel im Datenschutz? Dem Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) geht der Antrag Hamburgs im Bundesrat zu weit, das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) derart zu ändern, dass Bürger jeder Weitergabe ihrer Daten wie Anschrift und Alter künftig ausdrücklich zustimmen müssen, und droht Arbeitsplatz- und Umsatzverluste von 5 Milliarden Euro an.

Gut, auf auf ungewollte Direktwerbung von Drittunternehmen können wir persönlich gut verzichten. Auf die Bequemlichkeit der sofortigen Feststellung von Zahlungsbereitschaft durch Scoring-Agenturen beim Online-Shopping ebenfalls? Die Adressaten des Schutzes und Vorstellungen von Sicherheit sind leider verwirrend vielfältig.

Und nicht selten nimmt die Datenerhebung und -verwendung von Wirtschaft und Staat bedenkliche Formen an: Der Fall eines Berliner Soziologen, der aufgrund einer Google-Recherche und der Verwendung wissenschaftlicher Begriffe unter Terrorismusverdacht geriet und in Untersuchungshaft saß, nährt Zweifel an der Legitimität (und Sinnhaftigkeit) dessen, was informationstechnisch machbar ist.

Ende der Stille

Freitag, Oktober 3rd, 2008

Während der Sommer in Sturzbächen vor die Hunde geht, treffen sich Urheber und Verwerter zu regelmäßigen Arbeitssitzungen vor Gericht.

Von Urlaubsgedanken noch leicht entrückt, hält der Apparat folgende herzbstzeitlosen Strömungen fest:

BGH kippt Urheberrechtsabgaben für Computer

Einsatz von Google Analytics nur mit Datenschutzhinweis rechtmäßig

Bundesrat fordert mehr Datenschutz beim elektronischen Einkommensnachweis

Diskussion um Kosten für die elektronische Gesundheitskarte

Grob vereinfachend, erkennen wir den ewigen Kampf um Kosten und Verfahren zur Erfassung und Verrechnung von Informationen (Wissensdaten), die entweder höchst persönlich und oder zum allgemeinen Genuss bestimmt, aber jeweils sehr schützenswert sind. Sowie um technische Standards, die Produktion (=Sammlung) und Konsumtion (Abruf, Zugriff) ermöglichen oder einschränken.

Soweit waren wir längst, ist klar. Doch wenn selbst Nachrichtensprecher ihre Rede Google-optimieren, darf der Apparat nicht abseits stehen. Es könnte ja sein, dein Freund hört mit und hilft. Auf welcher Basis und zu welchem Preis, eigentlich [GOTO 3]?