Archive for Januar, 2010

Surfbrett-Stalking und andere Transparenzen

Sonntag, Januar 31st, 2010

Scheinidentitäten, Schnüffelei und Stalking. Eine Frau wurde jüngst deshalb verurteilt, weil sie sich über Soziale Netzwerke Vertrauen und über offenes WLAN Zugang verschaffte.

Selbiges versuchen Microsoft und Google bei allen Patienten der Welt. Vertrauen erschleicht sich, weshalb Datenschützer natürlich skeptisch werden. Sind Sie einzigartig wie Ihr Browser?

Sagen über Fragen. Am besten wir übermitteln unsere Steuererklärung im Februar. Dieses Mal locken sogar Preise.

Alle gegen Google

Samstag, Januar 23rd, 2010

Wir machens alle, daher nur eine kurze Übung Google Bashing…

Die Verleger, das Kartellamt, die Ministerin Leutheuser-Schnarrenberger und die französische Justiz kämpfen gegen Google. Der berühmte Soziologe Richard Sennett zieht sogar Parallelen zur Stasi.

Nur eine hat keine Bedenken, die EU-Komission.

Suchergebnisschnippsel (Snippets), AdWords und AdSense (Webseiten-Werbe-Vermarktung), Monopolstellung hin oder her. Es liefert bei der nächsten Suche Ihre Treffer wer?

nPA, ELENA und EPA oder: schöne Features rund ums Portemonnaie

Samstag, Januar 23rd, 2010

Bald gibt es ihn, endlich: Der elektronische Personalausweis (nPA) kommt vermutlich im November 2010.

Kaum dass er da ist, war er fast schon wieder tot, wie Heise an einem Dienstag im Januar titelte. Nach zermürbenden Diskussionen pflegen das Bundesverwaltungsamt und Kollegen nicht mehr vom elektronischen Personalausweis (ePA) zu sprechen.

Ob ePA oder nPA – das Ding ist kompliziert. Schnittstellen- und programmiertechnisch, jedoch auch in seinen praktischen Features. Als Elemente des eID-Verfahrens (Erklärung 1 und Erklärung 2 ohne Kürzelauflösung) sind nämlich zu unterscheiden:

  • die Identifikationsfunktion (behördliche Identitätsfeststellung)
  • die Online-Authentisierung, mit der sich Inhaber (quasi-anonym also pseudonym) im elektronischen Rechts- und Geschäftsverkehr über das Internet ausweisen können
  • die qualifizierte elektronische Signatur (QES)

auf dem kontaktlos auslesbaren Chip der Ausweiskarte.

So verlautbaren offizielle IT-Beauftragte wie Dr. Hans-Bernahrd Beus und Martin Schallbruch im Namen von Bundesregierung und Innenministerium (BMI).

Naturgemäß fällt die Einschätzung des ePA im Lichte informationeller Selbstbestimmungsrechte kritischer aus: Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar findet den Ausweis im Prinzip super, moniert aber, dass die Zertifikatausteilung und -entziehung sowie die Zulassung von Diensteanbietern im Prozess der elektronischen Identifizierung (eID) nicht per Gesetz an Datenschutzaudits gekoppelt sind. Die neue Schlüsselfunktion des Staates zwischen Konsumenten, Prüfern und Verkäufern bedeute schließlich eine enorme Macht.

Wie bei ELENA, dem elektronischen Entgeltnachweis, gibt es also plausible Bedenken. Doch fürchtet euch nicht, Bürger! Zwar könnt ihr mit dem nPA künftig künftig nicht euer Auto starten. Bezahlen und Grenzen überschreiten allerdings schon. Und spätestens 2014 bekommen wir Elektronische Patientenakten (EPA), welche übrigens nicht dem Schutz des Europäischen Patentamts (EPA) unterliegen.

Nur für die USA gilt eine andere Karte: Ab sofort muss sich jeder Amerikareisender zuvor online registrieren. Wahrschein- oder hoffentlich können die unsere ePAs nicht (aus)lesen oder verstehen.

Neutrality and maoism left

Sonntag, Januar 17th, 2010

Allem Erfolg liegt ein Scheitern inne. Diese kühne These erlaubt den Brückenschlag zwischen drei Aspekten digitaler Kultur:
- Zugang und Leitung
- Eigentum und Entlohnung
- Privatheit und Öffentlichkeit

Versuchen wir die behauptete Diagnose der Lage Anfang des zweiten Jahrzehnts des dritten Jahrtausends:

  1. Netzneutralität, also die gesicherte Möglichkeit, im Internet alles gleichartig (und gleichzeitig) vorzufinden, ist in der Krise.
  2. Copyleft: Ansprüche an Eigentum und Vergütung von Wissen befinden sich seit Durchbruch des Webs in einer permanenten Revolte.
  3. “Was du nicht willst, dass der andere weiß, das lasse lieber sein.” Die Grenze zwischen traditioneller Privat- und Allgemeinheit wackelt und bewegt sich.

Befragen wir die Avantgarde in der FAZ:

  • Jaron Lanier beklagt, dass ein “Interaktionsmodell, in dem Künstler ihre Produkte kostenlos anbieten müssen, ihnen die Struktur vorenthält, die sie brauchen, um sich wirklich selbst zu entfalten.” So komme es “unter dem Banner der Offenheit zu einem Verlust an Kreativität. Offenheit für alle ist wunderbar, aber diese Art von Offenheit ist eine Abstraktion, die am wirklichen Leben vorbeigeht.”
  • Geert Lovink geißelt “eine völlig einfache und konservative Form der Selbstdarstellung. Es ist so, als ob man sich ständig irgendwo bewerben würde.” Erst als das Netz “von der Unternehmenskultur schon übernommen worden war, kamen die technischen Möglichkeiten, es ästhetisch fortzuentwickeln. Eigentlich hätte dieser Prozess komplett umgekehrt verlaufen müssen. Erst die Avantgarde und dann die unternehmerische Umsetzung.”

Denken wir nach: Was kommt, was wird gewesen sein? Was IBM vor Jahren prognostizierte? Stimmen Sie ab!

Der Apparat befürchtet, am Ende wird abgerechnet. Vielleicht mit einem Mikrozahlungssystem à la Lanier: “Die Offenheit wäre bewahrt, und doch käme die ökonomische Welt zu ihrem Recht, was für die Zivilisation von entscheidender Bedeutung ist. Die Sache muss universell gültig sein, ausgearbeitet auf Regierungsebene, nicht von einem Privatunternehmen.”