Archive for Juli, 2008

Fortschritt ermöglichen oder aufhalten

Montag, Juli 28th, 2008

Sie versuchen’s immer wieder. Parallel zu Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und seinem jüngsten Baby – Wikiagreifen zwei Ex-Mitarbeiter ihren ehemaligen Arbeitgeber, den Gott der Internetsuche Google, Google an, wie die New York Times vermeldet.

Was die Suchmaschinen-Jungpioniere versprechen? Den mit 120 Millionen Internetseiten angeblich größten Index, brauchbarere Suchergebnisse durch einen Suchalgorithmus, der Webseiten nach Inhaltsähnlichkeit clustert (“a form of data mining to group Web pages by content”), und dass ihre neue Suchmaschine GUIL (gesprochen werden soll das “Cool”) die Trefferseiten besser, da ausführlicher präsentiert.

Und in der Tat, die Ergebnisliste liest sich besser. Sie sieht einfach schöner aus. Ob das was bringt, ob Schöner Sehen auch die Bayerische Landesanstalt für neue Medien motiviert haben mag, und ob Google uns doof macht, sind offene Fragen und darf bezweifelt werden.

Die letzte Behörde hat sich nämlich zum Ziel gemacht, Rundfunk-ähnliche Webcasts – also die an eine Allgemeinheit gerichtete Ausstrahlung von Bewegtbild- und Toninhalten im Internet – unter Lizenzpflicht zu stellen, sofern diese regelmäßig von mehr als 500 Zuschauern gesehen werden. Alles Nötige dazu hat Thomas Knüwer gebloggt.

Fortschritt ist eine sehr perspektivische Angelegenheit, wohl weil ihn jeder anders definiert. “Warum man Fußball jetzt schützen muss, ist unerklärlich. Dann verdient auch der Musikantenstadl kartellrechtliche Fürsorge.”, was wiederum Peter Turi in der Süddeutschen las.

Konfusion der Kategorien

Sonntag, Juli 27th, 2008

Zwischen den Gewittern macht sich Hitze breit. Alles schwitzt und manches verschwimmt – in den Augen der Betrachter: “Die Konfusion aus Virtualität, Realität und Fiktionalität ist bis ins Letzte durchdekliniert”, schwärmt der Spiegel nahezu bedeutungsfrei über GPS-gestützte literarische Wanderungen von Landvermesser.tv.

Dieses “GPS-gestütztes Literaturprodukt”, ein privat-betriebener Mediendienst, kombiniert literarische Texte mit GPS-Navigationsdaten, damit sich Wanderfreunde – vom Geist aus der Retorte eines Romans beseelt – qua Navigationsgerät an die echten Orte leiten lassen können, die der Phantasie des Autors beim Schreiben als fiktive Vorbilder dienten.

Merken wir was? Literaten werden Fremdenführer und speichern ihre geografischen Positionen bei Google. Das variiert erneut unsere liebste Frage: Wem gehören die Tourdaten, die einschlägige Software beim Rennen oder Radeln in Rücksprache mit Online-Kartendiensten speichert? Und wer, fragt die Frankfurter Rundschau, schützt eigentlich die Inhalte der zahllosen persönlichen Adressbücher und Kontaktlisten, seitdem diese auf verschiedenste Plattformen und Endgeräten wie Handy, PC und Social Networks verteilt sind, stets vom digitalen Gedächtnisschwund bedroht?

Facebook, Myspace, Open Social als universelle Prothesen der Persönlichkeit? Andere kappen lieber alte Zöpfe: Yahoo schaltet in Bälde seinen alten DRM-Server ab. Die Kunden des Yahoo Music-Stores danken: Nicht das Recht, die gekauften Songs zu hören, nur der Hörgenuss erlischt. In musikalischer Hinsicht empfiehlt der Apparat daher vollkommen ausgewogen: Urheberrechts-Modell-Bewusstseins-Schulung der Piratenpartei.