Archive for November, 2005

Intellectual Property Rights: Wissen, Kultur und der Markt

Sonntag, November 27th, 2005

Zur Abwechslung mal etwas Theorie: die kulturhoheit beobachtet, wie der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien die Strukturen verändert, in denen Wissen und Kultur produziert, distribuiert und konsumiert wird.

Der Apparat protokolliert Kommunikation, die diesen Prozess kommentiert und konstituiert: Presseberichte und Dokumente über technische und wirtschaftliche Entwicklungen, politische und rechtliche Entscheidungen. Ereignisse auf den Märkten für Information, in den Laboren des Wissens, in Organisationen und Institutionen sowie in der Kultur, die eine Gesellschaft beschreibt.

Also untersuchen wir die Mikrostrukturen der Wissensproduktion in den Makrostrukturen der Wissensverteilung. Oder umgekehrt? Jedenfalls stoßen wir permanent auf ein Paradox: Wissen wird als Rohstoff benötigt und als Endprodukt gehandelt. Wissen, selbst eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren des Marktmodells, ist gleichzeitig Ware. Informationen sind Voraussetzung und Folge, Umwelt und System zugleich. Das klingt irgendwie zirkulär.

International gültige geistige Eigentumsrechte (Intellectual Property Rights, IPR) sollen es richten. Neue Grenzen sind zu ziehen, neue Verfahren zu etablieren und neue Gremien zu schaffen, die zwischen den Ansprüchen auf öffentliche Verfügbarkeit und private kommerzielle Verwertbarkeit vermitteln. Wenn Wissensergebnisse und Techniken der Wissensproduktion zu marktfähigen Produkten werden, bedarf es der Bewertung des Wissens in Form einer einheitlichen Ordnung und messbaren Hierarchie – Gesetze und Preise zum Beispiel.

Der Grenzen des Schutzes: Sonys Rootkit XCP

Sonntag, November 6th, 2005

Nun haben wir den Salat: Sonys aktuelles Kopierschutz-Tool XCP funktioniert wie ein Rootkit. Das ist ein Software-Programm, das seine Existenz vor dem PC-Nutzer verbergen und unbemerkt wichtige Systemeinstellungen auslesen oder verändern kann.

Solche Rootkits “korrumpieren die Integrität des betroffenen Computers, verschaffen dem “Absender” einen Zugriff auf die Grundfunktionen des Systems”, erklärt der Spiegel . Die Konsequenz ist einigermaßen paradox: Kopierschützer, die mittels DRM ihre Rechte vor Raubkopierern schützen wollen, droht nun selbst das Strafgesetz: Laut Spiegel “bedeutet der heimliche manipulative Eingriff in eine Software, an der SonyBMG keine Eigentumsrechte hält, eventuell sogar einen Rechtsbruch.”

Ob sich dieser Rechtsbruch erfolgreich konstruieren lässt, bleibt angesichts der Komplexität der – dem Besitzer überlicherweise unbekannten – Systemsoftware-Funktionen und der Vielzahl ihres möglichen, auch nicht autorisierten Gebrauchs zunächst ungewiß. Eine praktische Konsequenz des Einsatzes solcher DRM-Programme wird die Nutzer viel eher irritieren. “The DRM software will cause many similar false alarms with all AV software that detect rootkits”, so die nüchterne Analyse in den F-Secure Virus Descriptions

Die erste Grenzes des Schutzes ist somit der Ärger. Die zweite eine angedrohte Rechtsverletzung: Eigentumsrecht gegen Eigentumsrecht, Copyright gegen Privacy.

Rechtlicher Anhang
§ 303a StGB: “(1) Wer rechtswidrig Daten (§ 202a Abs. 2) löscht, unterdrückt, unbrauchbar macht oder verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.”

Erster Exploit gemeldet
World-of-Warcraft-Schummler können ihre Pfuschprogramme mit Hilfe des SonyBMG-Kopierschutzes verbergen.