Archive for Mai, 2009

Technik nicht zeitgemäß

Samstag, Mai 23rd, 2009

Und wir staunten nicht schlecht, als wir uns zurück in die Tiefen des Streits um die Patentierbarkeit computertechnischer Erfindungen begaben.

Was meint etwa der Siemens? “Ein rein auf die reale Welt reduziertes Technikverständnis ist nicht mehr zeitgemäß”. Wir sind verzückt, würden aber nicht soweit gehen, bereits “die ausdrückliche Verwendung eines Computers” als “in der Tat ein technisches Merkmal” zu sehen, “das einen Anspruch theoretisch dem Patentschutz zugänglich macht”.

Mit Wikipedias Umkreisung des Begriffs “Softwarepatent” rekapitulieren wir: Das deutsche Patent muss neu und ungewöhnlich sein und vor allem einen technischen Beitrag leisten. Naturgesetze, physisch manipulieren und so.

Die große Rechenmaschine hingegen spult nur ab: Sequenzen von Differenzen im Medium der Ideen oder der Sprache, wie Free Software-Vertreter und andere Mittelständler aus leidlicher Erfahrung wissen. Angesichts derart spitzer Theorie murrt der Maschinenraum: Erfindung ist Schwerindustrie, Code-Schöpfung nur Dichtung?

Mitnichten, sagt jener Franzose, der die Unterscheidung von Sozial und Material im großen Netzwerk und in Auflösung befindlich entdeckte: Da gibt es “keinen bevorzugten Typ sozialer Aggregate, eine endlose Zahl von Mittlern, und wenn diese in getreue Zwischenglieder verwandelt werden, so bildet das nicht die Regel, sondern eine seltene Ausnahme, die durch irgendeine zusätzliche Arbeit erklärt werden muss” (Bruno Latour, 2007: Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft. Frankfurt/M.: Suhrkamp)

Höchstrichterlich

Samstag, Mai 16th, 2009

“Jeder Bürger muss die zentralen Schritte der Wahl ohne besondere technische Vorkenntnisse zuverlässig nachvollziehen und verstehen können”, fordert das Bundesverfassungsgericht.

Ein hehrer Anspruch. Muss der Privatanleger also wissen, wie komplexe Finanzderivate funktionieren, die seinem Anlegerglück zugrunde liegen oder im Wege stehen? Nein, es geht um Politik. Das Gefühl für die missliche Lage, dass der ganz persönliche Wille nur einer von vielen ist.

Wir rekapitulieren: Das Öffentlichkeits- und das Geheimhaltungsprinzip gebieten, dass Wählen für jeden verständlich sein und gleichzeitig Privatsache bleiben muss. Open Source und Privacy etwa?

Wahlmaschinen sind nicht zulässig. Es soll nur jeder wählen können, auch wenn er nicht Computer spielt. Wir könnten’s einfacher haben.