Archive for März, 2008

Zwischenstand Bild und Ton

Sonntag, März 30th, 2008

Auch wenns noch schneit, die Sommerzeit beginnt. Mit ihr plant die gebeutelte Musikindustrie digitale Musik zum Pauschalpreis. In Verhandlungen wird höchstens noch gerungen, wie hoch der Ablass bemessen sein wird, den wir für den faktischen Fall des individuellen Copyrights an Musikstücken – oder ist es seine Wiederaufstehung? – zukünftig an Konzerne wie Apple oder Nokia entrichten. Die es statt der GEMA stellvertretend für die Urheber und deren Verleger pauschal kassieren sollen.

Derweil streiten die Befürworter und Gegner biometrischer Ausweisdokumente (heute Reisepaß, morgen Personalausweis) um das juristische Wesen von Fingerabdrücken. Jedenfalls liefert der Chaos Computer Club die aktuelle Ausgabe seines Mitgliedermagzins mit einer Schablone des Fingerabrucks von Innenminister Schäuble aus. Und bemerkt süffisant: “Das Innenministerium behauptete bei der Einführung biometrischer Pässe, dass Bilder des Gesichts und der Finger in ihrer Bedeutung für die Privatsphäre im wesentlichen identisch sind. ‘Wir haben nach der Logik des Innenministeriums also nur das Äquivalent von einem Foto einer Person des öffentlichen Lebens erstellt’, erläuterte CCC-Sprecher Dirk Engling das Vorgehen des Clubs.”

Das klingt wie Musik in den Ohren: Wem gehört der eigene Fingerabruck, und wer darf ihn zu welchen Zwecken wie oft kopieren? Auch das heitere Abdrucksammeln von schnüffelfreudigen Politikern wird möglicherweise ein langwieriges Nachspiel haben.

Positiver Nebeneffekt

Montag, März 10th, 2008

Was sagte Wikipedia-Gründer Jim Wales neulich in der Technology Revue? “Die wichtigste Erkenntnis, die ich aus dem Wikipedia-Projekt gezogen habe, ist, dass es möglich ist, soziale Systeme, Normen und Regeln zu errichten, die zu recht passablen Resultaten führen.”

Thomas Hobbes, sei uns nicht böse. Der sterbliche Gott ist mal wieder das Internet.

Die fünfte Revolution

Sonntag, März 9th, 2008

Es ist Sonntag, recht warm, aber eigenartig diesig. Man könnte Tagträumen. Wie Steve Ballmer auf der Cebit zum Beispiel. Seine fünfte Revolution, die natürlich kurz bevorsteht, werde mindestens vier Grundfeste des öffentlichen Lebens verändern:

Erstens den Ort, denn wir werden immer mobil und trotzdem anwesend sein. Wenns sein muss, per Hologram.

Zweitens die Identität. Da Bits und Bytes über alles Bescheid wissen werden, was das (ergo dein oder mein) Herz begehrt.

Drittens die Zeit: Informationstechnik wird unser Gedächtnis und unsere digitalisierte Vergangenheit.

Viertens die Macht, denn über das Bauprojekt im Nachbardorf wird direkt und ohne Zeitverzug mit der Politik gerungen, und eine Protestbewegung per Knopfdruck ausgelöst.

Soweit, so viel und so wenig. Aggregiere Innovationen und ruf ein neues Zeitalter aus. Martialischer denkenden Beobachter warnen lieber vor dem Cyberkrieg, während Google sein neues Handy präsentiert.

Auf dass ein jeder die Waffe mit sich trage, die später auf ihn gerichtet wird. Oder geht es vielmehr um Liebe, die fünfte Kraft? “Auch gute Freunde wird man [..] bald nicht mehr ohne die elektronischen Medien kennenlernen. Vergilbten Fotoalben voll nostalgischer Schwärmerei durchzublättern wäre dann passé.”

Zum Glück werden wir auch angesichts mancher Schnappschnüsse auf Myspace nostalgisch, während wir all dieser fiesen Halunken nicht mehr Herr werden, die irgenwo irgendwelche unschmeichelhaften Bilder von uns veröffentlichen. Dein Pech, o sinnsuchender Reisender, wenn du hinschaust, wo du nicht wilkommen bist.

Es wird Frühling, und wir sehen wieder mehr.