Archive for Dezember, 2005

Copyright Update: Liberté toujours

Samstag, Dezember 17th, 2005

Zu Weihnachten gibt es Geschenke: Frankreich will sein Urheberrecht verschärfen, und die Musikindustrie bläst zum Kampf gegen frei flottierende Liedttexte. Aber der Reihe nach.

heise.de listet die Kernpunkte im Gesetzesentwurf der französischen Regierung wie folgt:
- Haft- und hohe Geldstrafen für Benutzer von Programmen zum Knacken von Kopierschutzsystemen
- Verbot freier Software zum Abspielen von Multimedia-Dateien, wie z.B. VLC
- Verbot öffentlicher Information über Werkzeuge zur Umgehung des Kopierschutzes
- Zwangsweise Implementierung von DRM-Systemen
- Aufbau eines universellen Filtersystems bei den Providern
- Verbot von Software zur Übertragung kopiergeschützten Materials ohne die Integration von Wasserzeichen oder DRM

Das ist harter Tobak, denn von der letzten Idee wären neben Chat-Programmen im Extremfall sämtliche Server-Software und -Protokolle wie Peer-2-Peer, HTTP, FTP oder SSH betroffen. Andere Vorschläge riechen nach Zensur oder einer Regierungsinitiative gegen freie Software. Weitere Infos gibt es bei FSF France sowie eucd.info.

Wegen Liedtexten verklagt
Derweil will die Music Publishers Association der USA verhindern, dass Liedtexte bekannter Popsongs unkontrolliert durchs Internet treiben. Was am liebsten jeder kennen, singen und kaufen soll, soll nicht ungebührlich für jeden verfügbar sein. Deshalb plant die MPA eine Rechtskampagne für das nächste Jahr und verklagt schon mal vorsorglich den Anbieter des Freeware-Plugin pearLyrics für Apples iTunes.
Wieso? Weil das Programm die Vocals beliebiger Songs im Internet sucht, findet und beim Anspielen des Songs anzeigt – egal, wo (in welchem Kontext) es sie gefunden hat. Obwohl der Erfinder nichts anderes tat, als den Nutzern etwas “Handarbeit mit Webbrowsern” zu ersparen, darf pearLyrics nun nicht mehr auf www.pearworks.com angeboten werden.

Das Wettrüsten I: Open Innovation Network

Samstag, Dezember 10th, 2005

Das Wettrüsten hat begonnen: Eine Reihe von Unternehmen, die mit Open Source Software wie Linux Geschäfte machen, haben gemeinsam das Open Innovation Network (OIN) gegründet. Diese Non-Profit-Organisation soll Patentansprüche, die das frei verfügbare Betriebssystem betreffen, aufkaufen sowie Patentinhaber, die ihre Patente nicht gegen das Open Source Netzwerk in Stellung bringen, mit kostenlosen OS-Lizenzen besänftigen.

Hintergrund ist der sich zuspitzende Patent-Krieg in der Softwareindustrie, über den Heise berichtet: Während einerseits Unternehmen wie Nokia, IBM, Novell und Sun eigene Patente zur Verwendung unter Open Source-Lizenzen zur Verfügung stellen, versuchen nicht-assoziierte Rechteinhaber ihre (angeblichen) Ansprüche gegenüber Linux und Co. gerichtlich geltend zu machen. Dies funktioniert sogar als Geschäftsmodell: “Patent-Trolle” kaufen im großen Stil Softwarepatente auf, um auf juristischem Wege hohe Vergleichszahlungen zu erzielen – ohne selbst etwas erfunden oder produziert zu haben.

Kritiker aus den eigenen Reihen wie Florian Müller, Gründer der Kampagne NoSoftwarePatents.com, halten diese Strategie der OIN – “Patent Pools”, die defensive Nutzung von Patenten, einen Nichtangriffspakt – im Krieg der Patente für wirkungslos. Open-Source-Veteran Bruce Perens vergleicht die Initiative mit dem Versuch, Vogelgrippe mit Taschentüchern zu bekämpfen. Mit der Grippe ist “die internationale Software-Plutokratie” gemeint, die Grenzzäune ums Wissen aufbauen und Open Source mit Hilfe von Softwarepatenten zerstören wolle.